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Omi’s neue Masche

Junger Webdesigner und ältere Damen erobern mit Strick das Internet.

Alles beginnt mit ungewohntem Besuch. Christa Trominski und Frieda Schwenk sitzen mit ihren Handarbeitsfreundinnen im Gemeindehaus und stricken. Es gibt Kaffee und Kuchen, Nadeln klappern, Wollknäuel tanzen, Klönschnack erfüllt den Raum. Alles läuft wie jeden Donnerstag – bis er plötzlich in der Tür steht. Alexander Klevesath, 27 Jahre, groß, schlank, braunes Haar, ein smarter Typ mit großer Mappe unterm Arm. Der Handorfer grüßt höflich, stellt sich vor und erklärt: “Ich suche echte Strickprofis.” Frieda Schwenk nickt freundlich und denkt: “Was will der Bengel mit uns alten Weibern?”
Drei Wochen später hat er sie überzeugt, und ein Jahr später sitzt sie bei ihm Zuhause am Kaffeetisch – als eine von acht im Team des Projekts “oma strick”. Die 70-Jährige ist in dem kleinen Unternehmen die Spezialistin für Mützen, Christa Trominski der Profi für Zopfmuster und Bettina Haschke zuständig für die Norweger-Pullover. Sie alle stricken bereits ihr ganzes Leben lang, widmen jede freie Minute Nadel und Wolle, kurz: Sie sind genau das, was Alexander Klevesath vor gut einem Jahr im Handorfer Handarbeitskreis gesucht hat. Mit seiner Mutter hat der Handorfer “oma strick” am 26. Januar 2011 ins Leben gerufen, verkauft seitdem über das Internet die Strick- und Häkel-Stücke seiner “Omas” und zahlt ihnen als Gegenleistung einen “angemessenen” Preis. Dazu inspiriert haben Klevesath eine persönliche Mützenodyssee und ein Fernsehbericht über das französische Vorreiterunternehmen der strickenden Omis.
Im Wohnzimmer der Klevesaths riecht es nach Kaffee, Kamin und Wolle. Der 27-Jährige und seine Mutter haben ihre Omas zur nachweihnachtlichen Klönrunde eingeladen, außer Frieda Schwenk, Bettina Haschke und Christa Trominski sitzen noch Freundin Theresia Lamke und Klevesaths echte Omi Waltraud mit am Tisch. Dass auch Bettina Haschke als jüngste in der Strick-Gruppe liebevoll als Oma bezeichnet wird, sei okay, sagt sie. Die 47-jährige Rottorferin ist wie ihre Mitstreiterinnen “stricksüchtig”, hat irgendwas eigentlich immer auf der Nadel. Jetzt wird ihr Hobby bezahlt, “ist doch herrlich”, sagt sie. Frieda Schwenk grinst. Auch sie hat es nicht bereut, dem “Bengel” mit seiner Mappe unter dem Arm eine Chance gegeben zu haben. “Ein bisschen Taschengeld kann man immer gut gebrauchen”, sagt die Sangenstedterin. Und außerdem sei es ein schönes Gefühl, “wenn die selbstgemachten Sachen so gut ankommen”. Rund 60 Artikel stehen mittlerweile im Internetshop der Handorfer, von der angesagten Oversize-Mütze der Hollywood-Stars über edle Schals bis zu Stricktaschen und Kinderpullovern. Gemeinsam mit seiner strickenden Mutter Daniela tüftelt Alexander Klevesath das ganze Jahr über an neuen Artikeln. Ihren Bestseller, die Oversize-Mütze, zum Beispiel hat sich das Duo bei 30 Grad im heimischen Schwimmteich überlegt. Diese Mütze war es auch, die Klevesath auf die Idee für “oma strick” gebracht hat. “Wochenlang habe ich damals nach einer solchen Mütze gesucht und in den Läden immer nur welche aus ekeligen Kunstfasern gefunden”, erzählt Klevesath. Schließlich hat ihm seine Mutter eine aus edler Wolle gestrickt und in dem Webdesigner reifte die Überzeugung: “Das ist eine echte Marktlücke.” Mit dieser Einschätzung lag er offenbar richtig. Denn “oma strick” sucht dringend neue Omis. Interessierte Strick- und Häkelprofis aus dem Lüneburger Umkreis können sich melden unter Tel.: 04133 / 400 83 00. Mehr: www.oma-strick.de
Erschienen am 21.01.2012 in der Wochenendausgabe der Landeszeitung in Druckform und auf landeszeitung.de


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